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Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Klinikum Leer und Universitätsklinikum Groningen wird ausgeweitet

Anfang Mai 2018 wurde nach über 25 Jahren wieder ein mikrobiologisches Labor am Klinikum Leer eingerichtet, welches die Einleitung einer schnellen und gezielten Therapie bei schweren Infektionen ermöglicht.

Haben ihre Zusammenarbeit erfolgreich ausgeweitet (v.l.n.r.): Dr. Berry Overbeek (Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Groningen), Prof. Dr. Alex Friedrich (Leiter der Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Groningen), Herr Siegfried Bothe (Hygienearzt, Klinikum Leer), Dr. Hans-Jürgen Wietoska (Ärztlicher Direktor, Klinikum Leer) und Holger Glienke (Geschäftsführer Klinikum Leer)

Neues Labor für Mikrobiologie am Klinikum Leer

Leer/Ostfriesland, 15. Mai 2018. Anfang Mai 2018 wurde nach über 25 Jahren wieder ein mikrobiologisches Labor am Klinikum Leer eingerichtet, welches die Einleitung einer schnellen und gezielten Therapie bei schweren Infektionen ermöglicht. Die Mikrobiologie dient dazu, Krankheitserreger zu erkennen und zu bestimmen, die ursächlich für Infektionskrankheiten verantwortlich sind. Mithilfe von Färbe-Methoden kann frühzeitig eine gezielte antibiotische Therapie in die Wege geleitet werden. Die Vorteile für den Patienten hierbei sind, dass in kurzer Zeit die notwendige antibiotische Therapie mit einem exakt wirksamen Antibiotikum fortgesetzt werden kann. Hintergrund ist, dass die weltweit immer noch zu häufig angewendeten sog. „Breitbandantibiotika“ vermehrt zu schweren Resistenzen führen können und eine weitere Behandlung erschweren können.

Das neue Labor am Klinikum Leer wird in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universität Groningen (UMCG) unter Leitung von Prof. Dr. Alex Friedrich mit seinem Mitarbeiter Dr. Berry Overbeek betrieben. Prof. Friedrich leitet dort den Lehrstuhl für Hygiene und Mikrobiologie und arbeitet auf dem Gebiet der Hygiene schon seit 2013 mit dem Klinikum Leer, als erstes Haus im Weser-Ems-Bereich, zusammen.

Über die letzten 30 Jahre sind an der Mehrzahl der deutschen Krankenhäuser die mikrobiologischen Laboreinrichtungen, u. a. aus Kostengründen und der nicht gesehenen Notwendigkeit der zeitnahen Verfügbarkeit der Laborergebnisse, geschlossen worden. Mit den Aufgaben wurden externe Großlabore beauftragt, die naturgemäß nicht unmittelbar vor Ort verfügbar sind und nicht so schnell Ergebnisse liefern können. Das jetzt eröffnete mikrobiologische Labor kehrt diesen Trend um. Es ermöglicht eine sehr viel schnellere Diagnose der krankheitserregenden Keime, da nicht mehr auf einen Transportdienst gewartet werden muss und jederzeit mit der Diagnostik begonnen werden kann.

Für den Patienten bedeutet dies eine sehr viel früher einsetzende Therapie mit dem für „seine“ Keime wirksamen Medikament. Für das Krankenhaus bedeutet dies, dass weniger Breitbandantibiotika eingesetzt werden müssen und damit der Entstehung von resistenten Keimen entgegengewirkt wird.

Das Robert-Koch-Institut versucht seit einigen Jahren Strategien für Krankenhäuser zu entwickeln, wie diesen Resistenzen-Entwicklungen entgegen gewirkt werden kann. Aktuell sind das Ergebnis dieser Bemühungen u. a. die Einrichtung eines “Antibiotikabeauftragten“ in  deutschen Krankenhäusern.

Das Klinikum Leer ist dieser Entwicklung frühzeitig begegnet u. a. mit dem Einsatz von Dr. Siegfried Bothe als klinikangestelltem Hygienearzt und entsprechendem Einsatz von ausgebildeten Pflegekräften. Zusätzlich haben bereits vor 5 Jahren der Leiter der Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikum Groningen, Prof. Dr. Alex Friedrich, sowie die Klinikleitung des Klinikum Leer mit dem Ärztlichen Direktor Dr. Hans-Jürgen Wietoska und Geschäftsführer Holger Glienke, eine Zusammenarbeit ins Leben gerufen.

Die Methode der „Mikrobiologischen Visiten“, die in den Niederlanden an jedem Krankenhaus stattfinden, wurde auch hier im Klinikum Leer eingeführt. Diese seit Jahren erfolgreiche Zusammenarbeit zeigt bereits dahingehend gute Erfolge, dass der Gebrauch von Breitbandantibiotika im Klinikum Leer, im Krankenhaus Rheiderland und im Inselkrankenhaus Borkum spürbar reduziert werden konnte.

Neben der klassischen mikrobiologischen Diagnostik durch die Färbe-Methode wurde auch ein automatisiertes Schnelltestverfahren eingeführt, mithilfe dessen Krankheiten wie MRSA, Tuberkulose, Noroviren und andere Infektionen innerhalb weniger Stunden festgestellt werden können. Dadurch können die Zeiten für Schutzisolierungen bei Patienten mit einem Verdacht auf eine ansteckende Krankheit, aber ohne ein späteres positives Ergebnis, teilweise um Tage verkürzt werden. Bei einem positiven Ergebnis führt die schnellere Diagnostik zu einer frühzeitigeren adäquaten Therapie.